Dorsale dei Nebrodi – der schönste Wanderweg Siziliens?

Dorsale dei Nebrodi

Die Dorsale dei Nebrodi stellte jahrelang für mich eine Art Mythos dar. Der wahrscheinlich schönste Wanderweg Siziliens! Drei bis vier Tage quer durch das Naturschutzgebiet „Parco Naturale Regionale dei Nebrodi“ mit dem größten zusammenhängenden Wald der Mittelmeerinsel. Nach fünf Jahren auf Sizilien, habe ich die Wanderung dann endlich im September 2025 gemacht. Hier erzähle ich dir von meinen Erfahrungen und kläre die Frage: Ist die Dorsale dei Nebrodi der schönste Wanderweg Siziliens?

Der Nebrodi Regionalpark

Der Parco Naturale Regionale dei Nebrodi liegt im Norden Siziliens zwischen den Madonie im Westen und den Peloritani im Osten. Die Gegend zeichnet sich durch den größten zusammenhängenden Wald Siziliens aus. Es gibt nur wenige kleine Dörfer an den Grenzen des Parks und es führen zwei kleine Straßen in Nord-Süd-Richtung durch den Wald, welche die Bergregion mit der Küste verbinden. Die Nebrodi werden oft als Wanderparadies betitelt. Tatsache ist, dass es zwar viel Wald und Ruhe gibt, aber kaum Infrastruktur. Es gibt Wanderwege, aber diese sind selten beschildert oder markiert. Es fehlt gutes Kartenmaterial und die Anreise ist auch kompliziert, wenn man kein eigenes Auto hat oder keine Rundwanderung plant.

Dorsale dei Nebrodi

Aus all diesen Gründen hat mich die Gegend zwar immer gereizt, aber ich habe sie nie wirklich entdeckt bis auf zwei kleine Tageswanderungen zu den Rocche del Crasto und den Catafurco Wasserfällen (beides empfehlenswert). Der Park hat eine Homepage, welche sogar auch auf deutsch verfügbar ist, ich fand die Infos jedoch nur halbwegs sinnvoll für die Planung. Das Personal war aber sehr hilfreich und hat mir auf Anfrage, diese Karte zur Verfügung gestellt, auf der die Wasserstellen, Picknickplätze und auch einige Wanderwege eingezeichnet sind.

Dorsale dei Nebrodi

Die Dorsale dei Nebrodi

Die Dorsale dei Nebrodi ist ein 70 km langer Wanderweg, welcher die Nebrodi Berge in Ost-West-Richtung komplett durchquert. Er ist größtenteils deckungsgleich mit dem Sentiero Italia des italienischen Alpenvereins CAI. Es gibt nur eine Übernachtungsmöglichkeit, die nicht ganz günstig ist, d.h. die Wanderung wird in der Regel mit dem Zelt gemacht und der komplette Proviant muss mitgenommen werden. Wasserstellen gibt es, aber man muss die Positionen finden und das Wasser reinigen. Die meisten planen die Tour in 3 Tagen. Das Problem ist aber, dass der Start- und Endpunkt mitten im Nirgendwo an einer Straße liegen und da musst du auch erst mal hinkommen. Was ich vor der Tour etwas ignoriert habe und was aber wichtig ist: Die Tour kann größtenteils auch mit dem Mountainbike und sogar mit einem Geländewagen gemacht werden. Auf gut Deutsch: die Hauptroute verläuft auf Feld- und Forstwegen und zum Wandern ist das meiner Meinung eher langweilig.

In 4 Etappen von Mistretta nach Floresta

Weil ich die Anreise wie immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geplant habe, bin ich von Mistretta nach Floresta gewandert und habe insgesamt circa 80 km zurückgelegt. Nach Mistretta fährt der Bus AST und von Floresta fährt Magistro. Die Strecke habe ich auf vier Tage aufgeteilt und gewandert bin ich davon drei ganze und einen halben Tag. Alle Touren findest du in meinem Komoot Profil in der Collection Dorsale dei Nebrodi. Der Weg ist mit einem „SI“ ausgeschildert für „Sentiero Italia“ und trägt folgende Wanderwegnummern: D403, D402, 301

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Dorsale dei Nebrodi Tag 1: Mistretta – Portella dell’Obolo

Ca. 23 km, 1.000m bergauf, 400m bergab

Die Dorsale dei Nebrodi startet offiziell an der Staatsstraße SS117 südlich von Mistretta. Weil ich darauf keine Lust hatte, bin ich das erste Teil der Strecke auf kleinen Nebenstraßen gewandert, um dann bei dem Teich Urio Quattrocchi auf den offiziellen Weg zu stoßen. Der erste Teil der Wanderung verläuft somit nicht im Wald und ist sehr sonnig! Danach folgt der Weg mit wenigen Ausnahmen Forst- und Feldwegen stetig bergauf. Nur an einer Stelle verläuft sich der Weg ein bisschen im Wald und wird dort auch steiler. Mit den vollen Rucksäcken war das auf jeden Fall die erste Herausforderung.

Dorsale dei Nebrodi

Die Portella dell’Obolo ist ein beliebter Übernachtungsplatz, weil es dort einen Wasserbrunnen gibt, Picknickbänke und ebene Fleckchen für das Zelt. Leider liegt der Platz auch an einer der beiden Straßen, die durch die Nebrodi führen und es gibt einen Spielplatz. Dadurch campen dort auch Menschen, die das besser sein lassen sollten. Ich war etwas schockiert über die Menge an Taschentüchern, die hier im Wald verstreut liegen. Ein schönerer Rastplatz ist der Bosco della Tassita, kurz vor der Portella dell’Obolo. Ein richtiger Märchenwald und eine Wasserquelle gibt es dort auch.

Dorsale dei Nebrodi Tag 2: Portella dell’Obolo – Femmina Morta

Ca. 21 km, 550m bergauf, 550m bergab

Der zweite Tag auf der Dorsale dei Nebrodi war für mich der schönste! Gewandert wird von einer der beiden Straßen zur nächsten und es gibt dazwischen keine nennenswerten Wanderhighlights. Die nächsten Dörfer sind auch weit weg. Aus diesem Grund ist die Strecke sauber, wild und wunderschön.

Dorsale dei Nebrodi

Am besten hat mir das erste Teilstück gefallen, weil es hier einen tollen Höhenweg gibt, welcher über alle Gipfel führt: Pizzo Fau, Pizzo Buschi, Monte Pelato und Monte Aquilina. Es handelt sich um einen schlecht markierten Trampelpfad, komplett im Wald. Ohne GPs wäre ich hier aufgeschmissen gewesen. Der Pizzo Fau ist mit 1.690m der höchste Berg der Nebrodi. Der Monte Pelato ist der einzige nicht bewaldete und bietet einen fantastischen Blick auf die Liparischen Inseln und den Ätna! Die einfachere Alternative ist der etwas südlich und weiter unten gelegene Forstweg. Für Fahrradfahrer ist das auf jeden Fall die sinnvollere Variante.

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Das Etappenziel Femmina Morta liegt wieder an einer Straße (die zweite der zuvor erwähnten). Beliebte Zeltplätze liegen auf der anderen Seite der Straße, auch hier findet man leider wieder Müll. Etwas bergab Richtung Landesinnere befindet sich das Relais Villa Miraglia, die einzige buchbare Unterkunft entlang der Dorsale dei Nebrodi. Hier kannst du auch nur zum Essen oder Trinken einkehren. Ich habe mir dort Wasser gekauft, weil ich die Trinkwasserquelle nicht gefunden habe. Ein guter Notfallplan.

Dorsale dei Nebrodi Tag 3: Femmina Morta – Case Cartolari

Ca. 23 km, 500m bergauf, 600m bergab

Auf diesen Tag war ich sehr gespannt, da die Dorsale dei Nebrodi hier an gleich zwei Seen vorbeikommt, der Lago Maulazzo und Lago Biviere. Schon im Vorfeld hatte ich einige Bilder dieser Orte gesehen und viele Schwärmereien von diesen „ursprünglichen“ Orten gehört. Die Erwartungshaltung war also hoch und wie so oft hat mich dann die Realität eingeholt. Ja, die Seen sind schön und das Bad nach zwei langen Wandertagen war wohltuend und nötig. Als „wilde Schönheiten“ würde ich diese Orte aber nicht bezeichnen. Auf der Forststraße fahren Jeeps, die Touristen begleiten, die nicht so gut zu Fuß sind. Es gibt einige Picknickplätze, Feuerstellen und Wasserbrunnen. Der komplette Tag verläuft entlang der Forststraße und ich finde das auf Dauer ganz schön langweilig.

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Der Ausblick an diesen Tag war wieder super mit dem Ätna geradeaus und den Liparischen Inseln auf unserer Linken. Die Case Cartolari habe ich tatsächlich offen vorgefunden. Deswegen habe ich mir das Zeltaufbauen gespart und die Isomatten drinnen auf dem Boden ausgerollt. Es ist aber eine verwahrloste Hütte und keinen Besuch wert. Es gab eine Picknickbank und einen Kamin, aber kein Wasser oder Feuerholz.

Dorsale dei Nebrodi Tag 4: Case Cartolari – Floresta

Ca. 13 km, 300m bergauf, 400m bergab

Der letzte Tag war nur ein halber Wandertag und ich ließ den Nebrodi Wald hinter mir. Die Strecke führt fast ausschließlich durch Weideland mit Kühen und Schafen (Achtung Hunde) und ich haben auch wieder mehr Bauern und Arbeiter getroffen. Die erste Hälfte verläuft noch auf der Forststraße, welche dann langsam aber sicher in eine asphaltierte Nebenstraße übergeht und bis nach Floresta führt.

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Fazit Dorsale dei Nebrodi

Das Fazit fällt mir dieses Mal nicht so leicht. Wie du wahrscheinlich beim Lesen gemerkt hast, bin ich nicht Feuer und Flamme für die Dorsale dei Nebrodi. Das hängt aber hauptsächlich damit zusammen, dass ich durch die vielen positiven Geschichten und Fotos eine sehr hohe Erwartungshaltung hatte. Du musst dich darauf einstellen, dass du viel auf besagter Forststraße unterwegs bist. Das hat ja auch Vorteile. Du musst nicht die ganze Zeit den Weg suchen und kannst einfach gehen ohne viel Nachzudenken. Die Suche nach geeigneten Schlafplätzen und Wasserquellen hat auf jeden Fall einen gewissen Nervenkitzel hinzugefügt.

Beim nächsten Mal würde ich die Tagesetappen so wählen, dass man nicht in der Nähe der Straßen schläft (Portella dell’Obolo und Femmina Morta). Der Wald ist sehr schön und der Ausblick super und ich habe auch viele wilde Tiere beobachten können. Besonders im Herbst lohnt es sich, weil der Rest von Sizilien gelb ist und man hier noch grüne Vegetation hat. Ist die Dorsale dei Nebrodi der schönste Wanderweg Siziliens? Nein, aber insgesamt ein toller Weg und ich bin froh, dass ich die Erfahrung gemacht habe.

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